Was uns trägt, wenn es unruhig wird.
Über Rituale, Rückblick und das, was wirklich wichtig ist.
Wenn es ruhiger wird,
verliert vieles an Bedeutung.
Nicht, weil es falsch war.
Sondern weil es nicht trägt.
In einer Zeit, die von Krisen, schlechten Nachrichten und Unsicherheiten geprägt ist, sind mir meine Rituale besonders wichtig geworden. Sie helfen mir, in Kontakt mit mir zu bleiben. Zu spüren, wie es mir wirklich geht. Meine mentale und körperliche Stabilität bewusst zu überprüfen – und zu fördern.
Rituale sind für mich kein Luxus.
Sie sind ein Anker.
Warum Rituale Halt geben
Rituale schaffen einen Raum, in dem wir kurz aus dem Reagieren aussteigen können. Einen Raum, in dem wir innehalten, reflektieren und wieder klarer wahrnehmen, was uns wichtig ist. Gerade in Zeiten hoher Belastung, innerer Unruhe oder permanenter Anforderungen machen diese bewussten Momente einen Unterschied.
Ein Ritual ist mir dabei besonders ans Herz gewachsen.
Der Wunschbrief – ein jährlicher Rückblick
Jedes Jahr am 31.12. schreibe ich mir meine Wünsche für das kommende Jahr auf.
Beruflich und privat.
Mental und körperlich.
Für mich und für meine Liebsten.
Ich gehe dafür bewusst in ein Café. Ich bestelle mir einen Kaffee und beginne damit, alle erinnerungswürdigen Momente des vergangenen Jahres aufzuschreiben. Das sind die schönen Augenblicke, aber auch die anstrengenden Phasen, die ich gemeistert habe.
Ich spreche mit meinem Partner über das Jahr. Über das, was uns leicht gefallen ist. Und über das, was Kraft gekostet hat.
Dann nehme ich mir den Wunschbrief des Vorjahres.
Ich lese ihn in Stille.
Ich hake ab, was ich erreicht habe.
Ich markiere, was nicht eingetreten ist.
Dieses Jahr gab es sogar einen Wunsch, bei dem ich im Nachhinein froh bin, dass er sich nicht erfüllt hat.
„Im Nachhinein ist man immer schlauer.“
Und ja – das stimmt.
Diese Reflexion hilft mir, meine Entwicklung bewusst wahrzunehmen. Nicht im Sinne von Selbstoptimierung, sondern im Sinne von Ehrlichkeit, Stolz und Freude an der Entwicklung.
Ein Fazit ziehen – bevor Neues entsteht
Wenn wir dieses Ritual gemeinsam durchführen, lesen wir uns unsere Wunschbriefe gegenseitig vor. Wir reflektieren erneut: über die Wünsche, über das Erreichte, über das, was sich verändert hat.
Bevor ich den neuen Wunschbrief für das kommende Jahrschreibe, halte ich immer ein Fazit fest.
Dieses Jahr stand unter dem Motto:
”Abenteuer. Berufliches Freischwimmen. Achtung Energieverlust – wo sind die Energiequellen?”
Erst danach schreibe ich den neuen Wunschbrief. Mit einer Frage, die jedes Jahr zentraler wird:
Was ist mir wirklich, wirklich wichtig?
Ein neues Ritual für den Alltag
Bisher habe ich den Brief in einen Umschlag gelegt und ihn erst an Silvester wieder hervorgeholt. Dieses Jahr mache ich es anders.
Jeden Montagmorgen, bevor die Woche beginnt, werde ich mir diesen Brief durchlesen. Nicht lange. Nicht analytisch. Sondern als Einstimmung. Als Erinnerung an das, was mir wichtig ist. Und an das, was meine Energie stärken kann.
Rituale im Team – Stabilität gemeinsam stärken
Rituale wirken nicht nur auf individueller Ebene. Sie sind auch für Teams kraftvoll.
Einige Führungskräfte, die ich dieses Jahr begleiten durfte, haben vor Weihnachten gemeinsam mit ihren Teams einen Wunschbaum visualisiert. Sie haben bewusst Raum geschaffen, um innezuhalten, zurückzublicken und Wünsche für das kommende Jahr auszusprechen.
Der Effekt war spürbar.
Wir sprechen über Positives, ohne die Anstrengung zu verleugnen.
Wir würdigen, was geschafft wurde.
Stolz darf da sein.
Und Wünsche bekommen Raum.
Für Teams entsteht daraus Verbindung.
Für Führung entsteht Orientierung.
Denn aus diesen Gesprächen ergibt sich ein wertvoller Leitfaden für das kommende Jahr. Unternehmensziele sind das eine. Die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeitenden das andere. Wenn beides zusammengedacht wird, entsteht eine gesunde Grundlage für ZusammenARBEIT, Leistungsfähigkeit und Vertrauen.
Was bleibt, wenn wir den Rucksack abstellen?
Rituale laden uns ein, den Rucksack für einen Moment abzunehmen.
Erwartungen.
Aufgaben.
Pflichten.
Verantwortungen.
Nicht, um sie loszuwerden.
Sondern um zu spüren, was auch ohne dieses Gewicht bleibt.
Immer wieder erlebe ich, wie kraftvoll es ist, wenn Menschen sich erlauben, innezuhalten. Nicht, um Probleme kleinzureden. Sondern um sich selbst wieder klarer zu spüren.
In meiner Arbeit begleite ich genau diese Prozesse – bei Einzelpersonen, Führungskräften und Teams. Nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit Raum für Reflexion, innere Stabilität und echte Orientierung.
Rituale können dabei ein Anfang sein.
Manchmal sind sie der erste Schritt, um wieder handlungsfähig zu werden – aus einer ruhigen, inneren Klarheit heraus und mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
#Rituale #InnereStabilität #Jahresrückblick